KALTER KRIEG

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Hyperventilierender Antikommunismus grassiert

T.: Kim Jong Un ist eine lächerliche Figur mit seiner Frisur, haha!!

D.: Ihr liebt es, eure Feinde als Schiessbudenfiguren hinzustellen, damit ihr euch nicht ernsthaft mit ihnen befassen müsst.

T.: Er ist ganz klar ein schlimmer Diktator, der im Luxus schwelgt, während das unterdrückte Volk in Elend und Hunger lebt.

D.: Das ist pure Propaganda. Was wissen wir schon darüber, wie es in Nordkorea wirklich aussieht?

T.: Das ist doch klar, und ausserdem will er die ganze Welt beherrschen und zerstören.

D.: Du sprichst wohl eher von einem Blockbuster-Klischee-Bösewicht als von Kim Jong Un.
Nordkorea war noch nie invasiv und macht Raketentests und Polemik, um defensiv die USA und Südkorea von Invasionen abzuhalten. Und die Abkapselung dient dazu, die Infiltration von Spionen und bezahlten Aufrührern (die zum Beispiel in Kuba und Venezuela eingesetzt werden) zu verhindern.

T.: Äh bah, er ist wie alle kommunistischen Diktatoren ein grössenwahnsinniger Autokrat, der gestoppt werden muss. Es gibt dort keine Parteien, keine freien Wahlen, keine Demokratie.

D.: Du hast keine Ahnung von Demokratie im Sozialismus, ist eine Demokratie nicht nach westlichem Muster organisiert, ist sie für euch blinden Antikommunisten eine Diktatur.

T.: Bist du von Sinnen, was erzählst du, die Fakten sprechen gegen diese Diktaturen.

D.: Ganz schön alternativ, deine Fakten. Über Nordkorea wissen wir praktisch nichts ausser den immer gleichen antikommunistischen Klischees und Phantasmagorien. Im Gegensatz zu Kuba, dort reisen Journalisten und NGOs frei herum und berichten. Die sozialistische kubanische Demokratie funktioniert ganz anders als die westliche Sonntagsdemokratie, in der man selten und freiwillig seine Stimme zu sorgfältig ausgewählten Fragen und Personen abgeben darf.

T.: Das ist ausgekochter Blödsinn, die Leute haben dort gar nichts zu sagen.

D.: Von den Leuten in den Betrieben und Administrationen in Kuba wird Mitsprache verlangt. Die Gewerkschaften und andere Organisationen haben grossen Einfluss. Alle müssen ihre Bedürfnisse und Meinungen zu wichtigen Fragen äussern. Die Ergebnisse dieser breiten Diskussion kommen zuletzt zum Zentralkomitee, das vor allem ausführt.

T.: Das ist reine Propaganda, das Zentralkomitee regiert rücksichtslos despotisch, Demokratie und Meinungsäusserungs-Freiheit sind nicht garantiert.

D.: Priorität hat soziale Politik, und deshalb gibt man Liberalen und Faschisten keine Bühne und kein Recht auf Propaganda und Mitbestimmung. Dass die sozialistische Demokratie in Kuba funktioniert, wissen wir. Ob sie in Nordkorea funktioniert, wissen wir nicht.

T.: Neiin! Das sind alles Diktatoren und Massenmörder wie Hitler!! (schäum, geifer, hyperventilier)

©Text Damian Bugmann 2017

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Fiktion von Demokratie, Freiheit und Wohlstand

20 Jahre nach dem Beginn der Eroberung des Reichs des Bösen gibt es Action, Emotion und Werbung mit dem zweiteiligen TV-Spielfilm «Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen»  über das Ende der DDR – demnächst wieder in Ihrem Sofakino.

Unheimlich dramatisch beginnt die Filmgeschichte mit Leitern und dann Schüssen an der Mauer 1983. Mathis fällt im Kugelhagel auf die Ostseite zurück, Andreas schwer verletzt ins ersehnte Paradies – und weiss noch nicht, dass seine Freundin Katja schwanger ist. Er wird Fernsehredakteur in Westberlin, seine in der DDR zurückgebliebenen Freunde filmen trotz Stasibelästigung heimlich Demonstrationen für Andreas und sein Westfernsehen, der liefert ihnen das nötige Material und Präservative.

Propagandastimme
Wie viele andere der DDR Überdrüssige wollen Katja und Sohn Sven im Sommer 1989 über Ungarn heimlich ausreisen. Sie wird erwischt und der Stasi ausgeliefert, der Junge findet seinen Weg zum Vater ins Konsum-paradies. Um die Mauer zum Fall zu bringen und seine Frau rauszuhauen, macht sich der Journalist mit seinem Medium zu einer kräftigen Stimme der Westpropaganda.

Schmuddel und Design
Die Rollen sind verteilt: Da die Barbarei des Sozialismus mit gestiefelten, prügelnden Volkspolizisten, flächendeckender Bespitzelung und respektloser Belästigung durch kalte Beamte - dort persönliche Freiheit, Wohlstand und private Idylle. Da kleine, schmuddlige Wohnungen mit altmodischem Inventar, ständig in ein gelbbraunes Licht getaucht, das an ranziges Öl erinnert - dort wie in den US-Serien grosszügige, Licht durchflutete Räume, modern designte Einrichtungen, bequeme Ledersofas, geräumige Dachterrassen. Da
ein durch und durch korruptes System - dort allenfalls individuelle Fehlentscheidungen von einzelnen Verantwortlichen.

Konsum und Karriere
Der Film hat gute Serienqualität und viele Widersprüche. Er suggeriert stundenlang, es gehe um Persönlich-keitsrechte und Reisefreiheit, nicht um naive Sehnsüchte nach Konsum und Karriere für alle. Erst ganz gegen Schluss des zweiten Teils fallen am Rand ein paar klare Worte: Es gehe um Bananen, Videorekorder und Floridareisen. Und an der Erstaufführung auf sat1 waren viele lange Werbeblöcke dazwischen geschnitten,
in denen die Zuschauer unermüdlich mit Limousinen, Waschmitteln, Eigenheimen, Anti-Ageing-Crèmes und viel mehr in allen Farben- und Gestaltungskombinationen beworfen wurden.

Der Klassenstandpunkt
Errungenschaften der DDR wie Kinderbetreuungsstrukturen oder soziale Sicherheit flackern jeweils nur kurz auf, werden als Alibiübungen hingestellt und zerfallen angesichts der Übermacht an Warenfetischismus und bürgerlicher Ideologie. Der Westen wird als beglückendes Reich von Friede und Freiheit nicht ausgemalt, aber angedeutet. Ein Aktivist erzählt seiner Freundin in einer stillen Stunde einmal, erhabe in einem Schulaufsatz eine schlechte Note bekommen, weil er ohne präzisen Klassenstandpunkt geschrieben habe. Antikommunistischer Spott schwingt hier mit, der sozialistische Begriff wird als absurde und hohle Rhetorik hingestellt.

Reduktion und Aburteilung
Den Zeitzeugen und nachfolgenden Generationen will man mit dem Zweiteiler ein einseitiges Bild ein- brennen, ein paar Mal kommen Faschismus-Vergleiche. Auch der TV-Spielfilm «Das Leben der anderen»
von 2006 reduziert die Deutsche Demokratische Republik auf die Überwachung von Oppositionellen und
die beschränkte Reisefreiheit und urteilt sie damit ab. Das war nicht die vollständige Lebenswelt der DDR-Bürger, das sind Aspekte der damaligen Realität, aufgeblasen zu Klischees und Propaganda. Lenken auch prächtig ab von kapitalistischen Schandtaten in aller Welt.

Taumel der Westeuphorie
Spannende Verfolgungsjagden durch Hinterhöfe und Treppenhäuser, Spitzel-Verdächtigungen, fiese Verhöre, Liebesszenen - an den zwei Fernsehabenden wachsen die Hauptfiguren dem Durchschnitts-Zuschauer ans Herz, man fiebert mit: «Wir sind das Volk!». Und alsdann am 9. November 1989 die Schlagbäume aufgehen, gehen auch die Herzen auf. Alle lieben sich und teilen den Taumel der Westeuphorie. Die früher unerbittlichen Grenzer strahlen, werden umarmt, BRD-Fahnen tauchen auf, die bösen Kommunisten haben ausgespielt.

Wie im US-Actionfilm ist der Feind kaltgestellt, die Welt befreit und öffentliche wie private Probleme sind gelöst. Jeder kann jetzt reich und ein Star werden. Höhepunkt der Rührung bildet die Familienzusammen-führung ganz am Schluss. Spätestens jetzt muss zu den Papiertaschentüchern gegriffen werden, für die bei der Erstaufführung selbstverständlich auch ein Werbespot an geeigneter Stelle eingeschoben worden ist.

Nicht ohne Feindbild
P.S.: Ohne Feindbild ging’s in der politischen Realität dann auch wieder nicht. Asiatische Länder taugten wenig für diese Rolle, die Moslems, die alten Konkurrenten, liessen sich leichter einspannen.

Veröffentlichungen: Vorwärts 17.10.08, zeitpunkt.ch 

… und heute wird das russische Feindbild ungeniert weiter propagandiert und in Putin projiziert.


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Der Kapitalismus
verdient nichts anderes als
in Schmach und Schande unterzugehen und soll nicht mit Scheinheiligkeit und kosmetischen Operationen weiter aufgepeppt werden.
©Text Damian Bugmann 2017

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Verkalkte Propaganda

SRF-10vor10 dreht rückwärts gewandt im leeren ideologischen Raum. Besuch in Nordkorea. Was schön, neu und fortschrittlich aussieht, wird als Kulisse diffamiert, Unterdrückung wird mit unglaublicher Sturheit behauptet und in alles und jedes hineininterpretiert. Bei der Fahrt über das Land wird ohne Anhaltspunkte Rückständigkeit und Unterernährung unterstellt.
Die JournalistInnen und RedaktorInnen wollen weder hinschauen noch verstehen, sie ziehen es vor, wegzuschauen und stur uralte antikommunistische Klischees wiederzukäuen.

In derselben Ausgabe ein Bericht über Kuba. Eine Gruppe junger Leute, nach kapitalistischer Mode gekleidete und frisiert, wünscht sich eine cool-lässig auftretende Elite - wie Berlusconi, Trump, Freysinger? Und will das Funktionieren der sozialistischen Demokratie nicht verstehen und eine bürgerliche Scheindemokratie einführen - die von den Superreichen manipuliert wird.

Mit Lebensraumzerstörung, Kommerzialisierung aller Lebensbereiche, zunehmender Überwachung, Milliardenabzockerei, Lohndumping, Rentenklau und misshandelten Working Poor, Sozialhilfe-Empfängern und Flüchtlingen ist Kapitalismus finsterstes 19. Jahrhundert, aufgepeppt mit hanebüchenen Konsum-Halluzinationen und durchsichtigen Illusionen vom verdienten sozialen Aufstieg und von der plötzlichen Entdeckung
als Superstar.


Fazit: Es gibt täglich
Gehirnwäsche bis alle
entweder sozialliberal
oder brutalliberal sind.

©Text Damian Bugmann 2017

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Mehr über bürgerlich-patriarchale Ideolgie: 
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