EROTIK+REPRESSION

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Gedichte 2008 bis 2018


Obszön
Bankenrettungen sind obszön
Wettbewerbs- und Konsumterror auch
Hierarchien und Kriege sowieso
Nackte Körper und Geschlechtsteile nicht



Kapitalistisches Patriarchat

Zweierbeschattung
Begattung und Beschaffung
Gehst du auch anschaffen?



Kapitalistisches Patriarchat

Potente Helden bedienen
heisse Maschinen
organisieren Personal

instrumentalisieren und
vernaschen keusche Mädchen
und geile Schlampen

Alles eine Frage des Preises.



Kolonialismus-Kapitalismus

Im verinnerlichten idealisierten
verheerenden beziehungsgestörten
Kapitalismus stillt mancher Mann

unterdrückte und verpönte
legitime wie neurotische
Bedürfnisse mit exotischen
Sexarbeiterinnen



Netzstrümpfe und Netzwerke

Geiler Service mit Netzstrümpfen
für Vereinzelte in Verrichtungsboxen

Liberale Apartheit
libertäre Selbsttäuschung
kapitalistisches Schubladenleben

Lieber selber Netzstrümpfe
und Netzwerke! anstatt sich
spalten und beherrschen lassen



Verantwortung

Die KapitalistInnen beuten
zum eigenen Gewinn
alles und alle aus

verursachen immense
ökologische und soziale
Schäden und Kosten

und dürfen sich lügend
und schwurbelnd aus der
Verantwortung stehlen



Viele Jugendliche müssten wohl keine so schweren Pubertäten durchstehen ohne
 Zweierkistestinkfamiliealskeimzelledesbürgerlichkapitalistischfaschistoidenstaats



Basta!

Nicht mehr länger in
kapitalistischen, patriarchalen
Dogmen, Repressalien, Illusionen
Emotionen und Kicks festhängen

und keine Scheinkompromisse
mehr mit scheinheiligen
Konzernen und Lobbyisten



Liebe ist
Die monopolisierte
besitzorientierte
Liebe ist
der grösste Liebestöter



geflogen gelandet

hüppen hüfteln nippeln
flüstern streicheln lecken
schnaufen schuften stöhnen

getanzt und gejutzt
geflogen wie nie
gelandet erfüllt



summertime
sex is
communication
energy and fun



Hosen, Hüte

wilde Meere hupfen
dicke Dämme bolzen
heisse Eisenbahnen stampfen
verschnupfte Skihäschen stürzen ab

dem spitzen Bürger
fliegt vom Hut der Kopf
in den Hüten steigt die Flut
in den Hosen schwillt die Wut

(Dank an Jakob van Hoddis)



Ewige Liebe und Scheintoleranz

Die «sexuelle Revolution» der 68er-Innen ist weitgehend verebbt.

Patriarchale Rollenteilung, Privatisierungs- und Besitzdenken in
Beziehungen bleiben Mainstream, sexistische und homophobe
Witze sind wieder salonfähig.

Die Erwähnung von Homosexualität und Transgender löst oft Spei-
und Ekelreaktionen aus, als ob einem versehentlich das «falsche» Geschlechtsorgan in den Mund geraten wäre.
Trotz der weiter grassierenden Homophobie sind homosexuelle
Beziehungen in vielen Ländern akzeptiert, aber nur wenn sie in
langjährigen Zweierbeziehungen gelebt werden.

Der ideologisch mystifizierte Dreiklang Familie, Liebe, Treue ist
wieder viel stärker, inklusive Scheinheiligkeit:
Ein riesiger Sexdating-und-Bordell-Markt floriert unter der properen bürgerlichen Oberfläche, auf der man ideologiegeblendet vorgibt,
dank der Kraft der ewigen Liebe alles im Griff zu haben.

©Text Damian Bugmann 2018

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Ganzheitliches Ritual

Ein Zelt weiter war die Atmosphäre ruhig und erfüllt, es roch bezaubernd. Er war fasziniert von Geräuschen und Rhythmen,
von den schönen Menschen. Eine Meisterin und ein Meister bewegten sich elegant zwischen ihnen, flüsterten und ergänzten, streichelten, massierten, reichten Wasser, errieten oft versteckte Wünsche und halfen bei ihrer Ausführung. Luc lächelte, atmete durch, liess sich treiben und näherte sich einer Gruppe, die ihn aufnahm, als ob er schon längst zu ihnen gehörte.

©Text Damian Bugmann 2016
















































Spalte und herrsche

Unsere ganzheitliche matrizentrische Spiritualität ist zerstückelt worden.

In blinden Glauben, trockene Wortgottesdienste und kopulierende
                                                                             Blumenarrangements.
In Ehe, Seitensprung, Prostitution und Pornografie.

In oberflächliche Rituale und beschwipste Geselligkeit.
In Entfremdung, Vereinzelung, Hierarchisierung, Doppelmoral und
                                                                             Gewalt.

In Konsum, Konkurrenz, Kapitalismus, Kolonialismus und Krieg.
In Übernutzung und Zerstörung der Lebensräume.


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©Texte Damian Bugmann 2018